Eigentlich war die Frage “Was ist Liebe?” oder “Woran erkenne ich, ob ich wirklich (bedingungslos) lieben kann?”
Und a) ist das so ganz spontan oft nicht leicht zu erklären (mehr zu spüren) und b) reden wir im Business ja noch nicht gerne über Liebe.
Was sind denn intelligente Systeme?
Deswegen sage ich stattdessen “Was ist das Beste für das System?” oder eben “Was sind intelligente Systeme?” Und auch jeder Mensch ist ein System. Wenn wir das jetzt ganz einfach darstellen, dann haben wir das Leben als den Zeitraum der Entfaltung, vom Heute zum Potenzial. Von heute geht es immer nur um den nächsten kleinen Schritt. “Tomorrow is beyond today.”

Der Abstand von heute zum Potenzial, ist unsere innere Zerrissenheit, unsere Anspannung. Je größer der Abstand, desto angespannter – also un-entspannter, damit gestresster – sind wir.

Wie kommen wir überhaupt in so einen angespannten Zustand? Das haben wir schon in 3x Diamant erklärt. Für jetzt reicht es, wenn ihr nur Modell 1 lest. Das ist ganz wenig Text und ein Bild.
Unser “ich bin nicht genug” oder auch das “ich bin zu viel” was aus dem Diamanten Modell 1 resultiert, ist diese Spannung. Das ist die Spannung, die wir die ganze Zeit betäuben wollen (externe emotionale Regulierung). Es ist die gefühlte Diskrepanz, zwischen dem was wir sind und was wir sein sollten.
Und da sind wir schon beim Titel: Intelligente Systeme, versuchen diesen Zustand zu minimieren, weil der extrem viel Kraft und Energie kostet. Alles was wir in diese innere Zerrissenheit verschwenden, können wir nicht anders nutzen. Das ist ziemlich dumm.
Intelligente Systeme vermeiden die Anspannung von Anfang an. Also intelligente Systeme optimieren darauf, dass der Abstand zwischen “heute” und “Potenzial” nie groß wird, anstatt – wie wir oben gesehen haben – diesen Abstand völlig unnötig erst riesig zu machen und dann mühsam zu verkleinern.

Und wie ist das jetzt mit der Liebe?
“Verurteilen ist nicht Handlung, sondern Haltung.”
Bei Liebe geht es um die Grundhaltung. Die Bewegung in Richtung Potenzial. Wenn ich im Weltbild der Liebe bin, dann schaue ich auf den nächsten Schritt. Auf die Bewegung.
Wir sehen das am Verurteilen. Wenn ich sage “Du bist ein Narzisst.” Dann ist das noch kein Verurteilen. Die Handlung gibt mir noch nicht genug Information. Es kann Verurteilen sein oder nur eine Standortbestimmung.
Wenn ich es sage, um dein Wesen zu beschreiben, also ich das als Schutz, zum Distanz-Aufbau und Abwehr einsetze und dich in dem Zustand zementiere, dann ist es Verurteilen.
Sage ich den gleichen Satz allerdings, um Bewegung zu erzeugen, also um den ersten Schritt daraus anzugehen, dann ist es nur eine Standortbestimmung und Liebe. Denn wir brauchen eine korrekte Standortbestimmung, um in Bewegung zu kommen.
Narzissmus und Depression
Die beiden sind ja auch nur Beispiele, aber gerade die beiden psychischen Erkrankungen oder Störungen zeigen, dass sie dieselbe Ursache haben. Die Spannung zwischen dem heute und dem Potenzial ist riesig.
Bei der Depression gebe ich auf. Ich möchte, ich kann es einfach nicht mehr verstecken und so tun, als wäre alles okay.
Der Narzissmus zerbricht auch an der Spannung. Aber statt es zuzugeben, kreiert er eine völlig andere Welt, in der es wieder stimmig ist.
Wir können uns merken: Alles was mich und andere in Richtung Potenzial bewegt ist Liebe, alles was statisch einfriert (ob das beliebte “Urteilen über andere” oder Selbst-Betrug und Verteidigung von mir) ist keine Liebe.
“Bewegung in Richtung Potenzial ist Liebe, alles andere nicht.”
Wir nennen 1000 andere Dinge Liebe. Dabei geht es um externe emotionale Regulierungen, weil es uns darum geht, wie wir uns fühlen. Oft wollen wir einfach nur (vertraute!) Gefühl in uns erzeugen.
Liebe und Beziehung
Die beste Definition von Liebe ist für mich immer noch von Gerald Hüther “Liebe ist das bedingungslose Interesse and der Entfaltung des geliebten Menschen”. Das schließt mich selbst mit ein. Und dabei geht es nicht um Self-Care oder Wohlfühlen, sondern um Entfaltung. Also Bewegung in Richtung Potenzial. Und den Erfolg der Liebe kann ich an der inneren Entspannung messen. Und die innere Entspannung sehe ich am fehlen von Widerstand. Wer die ganze Zeit in eeR oder Widerstand ist, der kann nicht in der Liebe und Selbst-Liebe sein.
Und das ist kein Urteil, sondern eine Standortbestimmung. Denn wenn ich meinen Standort korrekt kenne, dann kann ich in Bewegung kommen.
Wenn wir über Liebe reden, dann meinen wir meist das Gefühl von unserem Defizit (unser “ich bin nicht genug”), dass wir über eine andere Person füllen wollen. Es geht also darum, dass wir jemanden benutzen, der ein gutes Gefühl in uns erzeugt. Oder viel öfter nur ein vertrautes Gefühl. Das was wir als Kind als Liebe kennengelernt haben. Unser Gehirn ist da ganz einfach: Vertrautes geht vor. Weil das in dieser einfachen Sicht “sicher” ist. Wir haben ja überlebt.
Deswegen ist diese Ersatz-Liebe oft verbunden mit Begehren, Lust, Aufregung, Schmetterlingen im Bauch (was eigentlich Stress-Signale sind), Besitzen-wollen und mehr. Ihr kennt das.
Echte Liebe ist bedingungslos. Sie ist nötig für Beziehung, aber braucht selbst keine Beziehung. Sie ist eine Art die Welt zu sehen. Wir schauen auf “Was ist das Beste für das System?”. Wo wir das unterstützen können tun wir es, sonst versuchen wir wenigstens keinen Schaden anzurichten.
Im Gegensatz dazu ist Beziehung nie bedingungslos. Beziehung beginnt dort, wo wir uns gegenseitig sehen, hören, verstehen und berühren. Es kann also nicht die ganze Zeit nur um mich gehen. Wenn ich den anderen nur in meinem Leben habe, um Aufmerksamkeit (oder Absolution, Bestätigung, …) zu bekommen, dann ist es keine Beziehung. Genauso, wenn es nur um den anderen geht.
Beziehung ist das “System”, in dem wir uns gegenseitig helfen unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen. Der Schlüssel ist Hingabe. Und Hingabe bedeutet “Mir sind deine Bedürfnisse genauso wichtig, wie meine.”
Warum der Selbstbetrug?
Wenn wir uns selbst nicht zu lieben gelernt haben, dann wollen wir uns schützen. Uns verteidigen. Beides als Ersatz für echte Sicherheit. Der Widerstand kommt aus Scham. Und die Scham kommt daher, dass wir meinen, dass wir uns verloren haben (und es keinen Weg mehr zurück gibt). Und weil wir überzeugt sind, dass es keinen Weg zurück gibt, gehen wir auch nicht los. Wir denken unser selbst, unsere Identität ist verloren. Wir können noch mehr Rollen lernen, aber wir sind weg. Und dafür schämen wir uns. Wir sind weg und immer noch nicht genug und richtig. Deswegen versuchen wir uns und die Welt davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Dass wir im Potenzial sind.

Widerstand als Geschenk
“Widerstand erzählt alles, was wir uns nie zu fragen trauen würden.”
Das gilt für unseren Widerstand, als auch den von anderen. Immer wenn wir Widerstand begegnen (und der kann viele Gesichter haben), dann ist es eine Chance zu verstehen. Uns selbst oder den anderen zu sehen und zu verstehen.
Einige Gesichter des Widerstands: Angriff | Verteidigung | Rechtfertigung | Flucht | Blockade | Ablenkung | Ablehnung | Verurteilen | Trotz | Ironie & Sarkasmus | Opfer | Drama | Sabotage | Ghosting | …
Und jede erzählt ihre Geschichte. Ist ein Wegweiser.

Und Widerstand zeigt vor allem die Spannung, also den Abstand zwischen der Realität (heute) und dem, wie wir gerne wären. Oder denken, dass wir sein sollten.
Die Ursache des Widerstandes ist, dass wir uns selbst verurteilen, aber das verstecken wollen. Wir kommen also nicht aus der Zwickmühle raus, solange wir uns verurteilen. Aber wir verurteilen uns solange wir glauben, dass wir nicht gut genug sind.
Gibt es einen Ausweg?
Jetzt ist es Zeit die 3x Diamant zu Ende zu lesen. Unser Weltbild ist eben nur ein Bild. Es ist nicht real. Wir können, sollen, dürfen es jederzeit umgestalten.
Und die Qualität eines Modells ist immer so gut wie der Handlungsspielraum, den es erzeugt. Je größer der Handlungsspielraum, desto intelligenter (besser) das Modell.

Also “ent-spannt” euch. Bisher undenkbar, aber eigentlich ganz einfach. Und seit geduldig. Zu Beginn ist es unvertraut, sich zu lieben.

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