„Patriarchat ist gut“

Dein erster Impuls zeigt, ob du selbst dem patriarchischen Denkmuster folgst oder nicht. Schauen wir mal rein, was Patriarchat eigentlich bedeutet, wo es gut ist und wo es nicht hingehört.

Warst du in der Verteidigung oder Abwehr? Warst du – als erster Impuls – dagegen? Gut, dann bist du selbst im Schutzmodus, in der Verteidigung. Und das ist weder richtig noch falsch, sondern der Zustand, der zu deiner Lebensgeschichte passt.

Was allerdings nicht bedeutet, dass es so bleiben muss. Die Entscheidung triffst du heute.

Frei nach dem chinesischen Sprichwort, wäre es am besten vor 10 oder 20 Jahren gewesen, aber der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt. Also schön, dass du da bist.

Aber auch, was es nicht ist. Und wir deswegen bessere Worte brauchen.

Eine kurze Geschichte zur Erklärung: Die 4-jährige Schwester wurde von einem Hund angegriffen. Als er das gesehen hat, ist der 6-jährige Bruder dazwischen gegangen. Beide haben überlebt, aber er hat auch schlimme Bisse im Gesicht. Auf die Frage warum er es gemacht hat, sagt der Junge „Wenn von uns beiden einer hätte sterben sollen, dann sollte ich das sein.“

In allen echten Geschichten überlagern sich natürlich die Motive. Die Opferbereitschaft ist mehr das Testosteron, aber die Reaktion auf Gefahr, also Schutz, dass ist der Kern von Patriarchat.

Patriarchat beschreibt unseren Gecko (Stammhirn) und deswegen ist der Begriff sexistisch und irreführend. Es umfasst alle Handlungsmuster, Methoden, Techniken und Werkzeuge um uns zu schützen und zu verteidigen.

Sehen oder empfinden wir Gefahr, dann wechseln wir automatisch in den Gecko-Modus, ins „Patriarchat“. Wir schützen und dabei bestimmen wir auch über andere. Alles andere ordnet sich der wahrgenommenen Gefahr unter.

Matriarchat ist ein anderer Grundzustand. Das ist der Beziehungsmodus. Das ist die Verbundenheit, das Vertrauen und daraus die Sicherheit im Rudel.

Auch wenn es für uns ähnlich klingt, dann ist Schutz und Sicherheit etwas Gegensätzliches. Aus der Rudel-Perspektive sind es unterschiedliche Richtungen. Schutz richtet sich gegen Gefahr oder Bedrohung von außen. Ich sichere das System. Und Sicherheit ist der Zustand von Frieden und Entspannung, von Zusammenhalt und gemeinsamer Richtung im Innen des Systems.

Wenn wir Sicherheit fordern (im Außen), dann sind wir lost. Wir haben beide Seiten nicht verstanden und sind im „Patriarchat“. Immer wenn wir anderen (Menschen die wir gar nicht kennen), etwas aufzwingen wollen, sind wir in der Angst und im Patriarchat.

Außerhalb unserer Systemgrenzen, kann es keine Sicherheit geben. Wir können keine Aussage treffen. Habe ich keine Daten, um eine Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dann sollte ich von einer neutralen Umgebung ausgehen. Oft habe ich Daten, dann passe ich das ehrlich an.

Sicherheit wird von unserem Limbi (unserer emotionalen/sozialen Intelligenz) berechnet. Es ist eine Wahrscheinlichkeits-Funktion: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich in der aktuellen Umgebung sicher bin? Das kann zwischen 100 und 0% liegen. Wobei es in der Praxis eher zwischen 87 und 13% liegt. Die Extreme finden wir selten.

Beziehung und Bindung bedeutet, dass ich Umgebungen habe, in denen ich eine sehr gute Aussage treffen kann, und gleichzeitig eine sehr hohe Sicherheit habe. Bei viele Familien und Umgebungen, in die wir hinein gezwungen werden, haben wir zwar viele Daten, aber eine niedrige Sicherheit. Die Grundidee vom Rudel ist, dass beides zusammenkommt.

Hast du keine sichere Umgebung erlebt und möchtest die aus Verzweiflung erzwingen (statt sie zu bauen), gehst du selbst in die Fremdbestimmung und schaffst Unsicherheit für alle anderen. Und das völlig gut gemeint.

Siehst du den Satz „Patriarchat ist gut“ als Angriff und reagierst mit Verteidigung, dann hat der Satz einen Teil deines Weltbildes (oder Glaubenssatz) angegriffen. Also gehst du in den Verteidigungsmodus, in den Selbstschutz. Du reagierst also mit „Patriarchat“.

In der Situation ist der Gecko eigentlich nicht nötig. Aber er erzählt uns noch eine andere Geschichte.

Wenn ich das so locker schreibe, dann bedeutet das ja überhaupt keine Gefahr für dich. Wenn du trotzdem reagierst, also dein Gecko hyperaktiv ist, dann ist das eine Warnlampe. Und diese Warnlampe zeigt, dass Sicherheit fehlt.

Patriarchat (oder Gecko) ist der Notfallmodus. Matriarchat (Limbi, oder eben Sicherheit durch Verbundenheit) sollte der Grundzustand sein.

„Weniger Patriarchat“ zu fordern geht total am Punkt vorbei. Wenn wir den Schutzmodus nach innen leben, dann deswegen, weil Sicherheit fehlt. Der Schutzmodus soll ja das Vakuum der fehlenden Sicherheit füllen.

Wenn wir weniger Angst haben wollen, dann müssen wir mehr Sicherheit bauen. Also Beziehungs-Skills entwickeln und anwenden.

Dunkelheit bekomme ich nicht durch „mach mal weniger Dunkelheit“ weg. Das geht nur durch mehr Licht. Und das ist hier genauso. Sicherheit müssen wir aktiv bauen, dann verschwindet Unsicherheit.

(Mehr zu der Weltsicht in Zwei Sichten auf die Welt – und wenig Schnittmenge)

Comments

One response to “„Patriarchat ist gut“”

  1. […] dieser neuen Definition von Gewalt ist, dass genau das sichtbar wird. Was wir Feudalismus oder auch Patriarchat nennen, sind Systeme, die auf Angst und Gewalt basieren, weil wir in der Unsicherheit sind. […]

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